Teil einer größeren, über die Grenzen des eigenen Staates hinausreichenden,
Gesellschaft wahrzunehmen und daraus resultierende – individuelle und kollektive –
Verantwortlichkeiten zu erkennen” (Bildung 2030, 2023). Auch die Europäische
Kommission hat eine Definition für Globales Lernen herausgegeben, in der sie von
Globalem Lernen als pädagogischen Ansatz spricht, der “multiple perspectives and the
deconstruction of stereotypes” fördert und “on a learner centred approach” baut, um
“critical consciousness of global challenges and engagement for sustainable lifestyles”
zu fördern (Europäische Kommission, 2023). Kip Cates als einer der bekanntesten
englischsprachigen Vertreter von Globalem Lernen konkretisiert diese Definitionen und
beschreibt vier Schritte bzw. Ziele für Globales Lernen: (1) Das Wissen um aktuelle und
global herausfordernende Probleme, als substanzielle Basis; (2) Das Aneignen von
Kompetenzen und Fähigkeiten wie kommunikative Fähigkeiten, kritisches und kreatives
Denken, kooperative Problemlösungsstrategien, Konfliktbewältigung,
Perspektivenwechsel und Multiperspektivität; (3) globale Einstellungen, wie globales
Bewusstsein, Neugierde für Unbekanntes, Wertschätzung anderer Kulturen,
Anerkennung von Diversität sowie Empathie; (4) (lokale) Handlungsfähigkeit und
demokratische Teilhabe: “The final goal of global education is action” (Cates, 2002, 41).
Noch einen Schritt weiter in der Konkretisierung von Globalem Lernen auf
Unterrichtsebene geht der Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale
Entwicklung. Hier wird im Bereich Bewerten unter Punkt 6. Kritische Reflexion und
Stellungnahme als eine Kernkompetenz des Lernbereichs Globale Entwicklung genannt:
Die SchülerInnen können durch kritische Reflexion zu Globalisierungs- und
Entwicklungsfragen Stellung beziehen und sich dabei an der internationalen
Konsensbildung, am Leitbild Nachhaltiger Entwicklung und an den
Menschenrechten orientieren (Schreiber & Siege, 2016, 95).
Von 2007 wurde der Orientierungsrahmen in erster Auflage, 2016 schließlich in der
überarbeiteten, zweiten Auflage veröffentlicht bzw. aktualisiert und dient als Grundlage
zur Integration von BNE in all seinen Facetten (ökologisch, ökonomisch, sozial,
kulturelle, politisch), angelehnt an die Agenda 2030 der UN (United Nations, 2023), in
das deutsche Schulsystem (Surkamp, 2022b, 16). Wichtig dabei ist,
dass mit BNE keine Erziehung zu nachhaltigem Verhalten angestrebt wird, sondern
dass Lernende im Sinne eines weiten Kompetenzbegriffs, der neben Wissen,
Fähigkeiten und Fertigkeiten auch Haltungen, Bereitschaften und Motivationen
einschliest, die Befähigung zu eigenständigen Bewertungen und innovativem
Handeln in Bezug auf Nachhaltigkeitsfragen erwerben sollen (Surkamp, 2022b,
15).
Globales Lernen und BNE adressieren also aktuelle, globale Herausforderungen mit
lokalem Ausmaß und integrieren verschiedene, relevante Inhalte und Kompetenzen für
ein Leben in einer globalisierten, hochkomplexen und schnellebigen Welt. An den
Stellen, an denen das Konzept der interkulturellen kommunikativen Kompetenz “schnell
an seine Grenzen” stößt (Gerlach, 2020c, 33, 34), können Globales Lernen und BNE
weitere Handlungsspielräume für den (Fremdsprachen)Unterricht eröffnen, indem u.a.
der Kulturbegriff differenzierter betrachtet wird (König, Schädlich & Surkamp, 2022), als